fliegend
Es ist eine traurige Chronistenpflicht, der ich nachkommen muss. Der Kleine Fuchs ist tot.
Als die Sonne uns die letzten goldenen und sehr glücklichen Oktobertage schenkte, wurde der Schmetterling, der umgangssprachlich gern auch Aglais Urticae genannt wird, Gast in meinem Treppenhaus. Unter dem Aufstieg zum Dachboden fand er ein kleines Plätzchen für sich. Hier verbrauchte er den kalten, scheinbar ewigdauernden Winter. In den eisigen Nächten, in denen nur das kalte Licht des Mondes durch das Fenster schien, träumte er von den wärmenden Sonnenstrahlen eines ersten milden Frühlingstages. Er freute sich drauf, seine Flügel ausbreiten zu können und wieder durch die laue Luft, uns allen still jubelnde Freunde und das Gefühl von Leichtigkeit bringend, zu fliegen.
Als eine gefräßige Spinne in seiner Nähe begann ihr todbringendes Netz zu weben, half ich ihm. Doch nicht vor allen Gefahren konnte ich ihn schützen. Die kommende Kraft von Mutter Natur hat ihn nicht mehr erreicht. Heute lag er zu Füßen des Fuchsienbaums, in dessen kahlen Zweigen sich schon der erste Zauber des Lenzes erahnen lässt. Es erscheint mir, als ob er über alle Grenzen hinweg zu mir ruft: „Memento Mori!“

naschend
Wird zwar niemanden interessieren, aber ich bücke mich gerne. Besonders dann, wenn – so wie jetzt – ein leckeres Stück Fleisch die Belohnung ist.
Jeder hat halt so seine Vorlieben und ich gestehe, dass ich unheimlich gern Hartewurst esse. Zusammen mit Kürbiskernbrot, Butter und frischem Feldsalat eine unschlagbare Kombination. Im Kaufland meines Vertrauens liegt die von mir favorisierte Sorte ziemlich weit unten, wenn es sie überhaupt gibt. Die „Salami Milano“ ist nämlich ein Billig- Produkt, dafür aber richtig lecker und eine Sünde wert. Wer bückt sich da nicht gern einmal?
Zum Schluss möchte ich noch König Eduard III. von England und Wales zitieren. „Honi soit qui mal y pense“. Ja, seine Majestät hatte schon damals Recht; ein Schelm, der arges dabei denkt. Bon Appétit!
musizierend
Zu meiner Mittagspause gehört ein Spaziergang durch die Altstadt. Millionen von Touristen kommen jedes Jahr extra nach Dresden um das zu sehen, was ich jeden Tag habe. Vom Postplatz kommend laufe ich an Zwinger, Stadtschloss, Semperoper und Kathedrale vorbei. Bummle über die Brühlsche Terrasse, um dann von der Frauenkirche aus durch die Weiße Gasse zu gehen und einen Blick auf Kreuzkirche und Altmarkt zu werfen. Welche Stadt kann dies bieten? Köln zum Beispiel hat nur einen Dom.
Am Eingang zur Altmarktgalerie stehen oft Straßenmusikanten und andere Bettler. Im Becher vor dem gitarrenspielenden Sänger ist heute einiges an Münzen zu sehen. Während ich schnell meine Schritte Richtung Büro lenke, überlege warum die Leute so viel geben. Am Gesang kann es sicher nicht liegen, oder vielleicht doch? Hoffen die Passanten inständig ihn durch die Spende zum Aufgeben zu bewegen? Die Schreie von liebestollten Katzen zur Mitternachtsstunde klingen im Vergleich zu seiner Leistung wie ein Ohrenschmaus.

