Oliver Pocher hat die Schweinegrippe. Viren scheinen sich also vor gar nichts zu ekeln und nehmen wohl jeden. Dafür hatte ich gerade Ekelalarm und bin froh, mir meine Hände waschen zu können.

Im Bus sah saß mir ein schniefendes durchgestyltes Bürschlein gegenüber. Die Klamotten vom Feinsten und die halbe Stunde, die ich beim Friseur verbringe reicht bei ihn sicher gerade, um die erste Haarfarbe einwirken zu lassen. Nur für eines hat das Geld nicht mehr gereicht, ein Taschentuch und so wird der Rotz hochgezogen. Auch der Handrücken bekommt eine gute Portion ab.

Die Virenschleuder stiegt mit mir aus. Mit seiner verkeimten Hand fasst er an die Haltestangen. Ich vermeide in diesem Bus überhaupt noch was anzufassen. Das Erste, was ich jetzt auf Arbeit mache, ist mir die Hände zu waschen und zu desinfizieren.

Bildquelle: wdr.de

‚Was mache ich schon wieder hier?‘ Ich erblickte die Bauzäune, die die Bühne ordentlich teilten und Müll. Eine Umzugskiste, Plasteeimer und eine Art Boot mit Aufbau. Das soll also der Rahmen sein, in dem das Staatsschauspiel Dresden William Shakespeares „Romeo und Julia“ aufzuführen gedenkt. Was mache ich schon wieder hier? Das im Schauspielhaus auch Klassiker arg modern inszeniert werden, weiß ich und hat schon mein Kopfschütteln hervorgerufen. Was mache ich also schon wieder hier? Es ist ein Geburtstagsgeschenk, das mich in die Pflicht nimmt. Setzen wir uns erst mal und harren der Dinge, die da kommen.

Das Licht im Zuschauerraum wird schwächer und asiatisch anmutende Musik setzt ein. Julia hat ihren ersten Auftritt. Im Rückraum der Bühne machte sie Purzelbäume. Irgendwann schwang sie sich dann behänd wie ein Affe über die Bauzäune und verschwand in der Umzugskiste. Mit einem Edding beschrieb sie da ihren Unterarm – für uns Zuschauer per Videolivestreaming sichtbar. Was mache ich schon wieder hier? Sollte ich gehen?

Die letzten gut zwei Stunden haben mich fasziniert. Begeistert falle ich in den tosenden Applaus ein. Es war unheimlich kraftvoll, was ich da gesehen habe. Kraftvoll und intensiv und so lebensnah. Gar nicht verstaubt. Es ist nicht mehr ganz das Stück des Dramatikers aus Stratford-upon-Avon, durch dass ich mich in meiner Schulzeit gequält habe. Oder doch!

Im Original versöhnen sich die die Widersacher aus den Häusern Capulet und Montague. Gemeinsam bauen sie ein Denkmal für die Liebenden. Ob es diesen Frieden gibt, bleib in der heutigen Aufführung offen. Legendär auch die Schlussworte, bevor der Vorhang fällt. „For never was a story of more woe. Than this of Juliet and her Romeo.“ Bruder Lorenzo sprach gerade: „Seit dem ich des Suchens müde bin, habe ich begonnen zu finden.“ Es gab keinen Vorhang…

Balkonszene: Annika Schilling (Julia Capulet), Sascha Göpel (Romeo Montague)
Bildquelle: Staatsschauspiel Dresden / Matthias Horn

Es gibt Themen, die ich in Gesprächen meide. Krebs (aus medizinischer Sicht) gehört unter anderem dazu. Zu schnell kommen dabei Bilder und Erinnerungen hoch. Trauer und Schmerz überdecken noch immer alle anderen Gefühle und Tränen stehen in meinen Augen. Wenn ich höre, dass jemand an dieser Krankheit leidet, so ist ihm mein Mitgefühl sicher. Anders gestern.

Oskar Lafontaine soll an Krebs erkrankt sein. Eine Operation steht unmittelbar bevor. Wenn ich von ihm als den saarländischen Märchenonkel rede, dann drücke ich meine Meinung über ihn und seine Partei noch charmant verpackt aus. Einem kurzen geschockten „Oh“, folgte in meinen Gedanken die Frage, warum er, der sonst so auf die Abschottung seines Privatlebens achtet, dies öffentlich mitteilt. Aber ich ließ den Gedankengang schnell fallen, da ich mit Vorbereitungen für ein leckeres Abendessen beschäftigt war und auch später ließ mir die angenehme Gesellschaft keine Zeit zum Nachdenken.

Heute Morgen ist Oskar Lafontaine omnipräsent. Die Nachrichten reden ausführlich über ihn und so findet auch seine Rede im saarländischen Landtag Raum in der Berichterstattung. Vor 24 Stunden hatte sicher noch kein Chefredakteur geplant, so umfassend über die Rede eines wenig bedeutenden Fraktionsvorsitzendem in einem unbedeutenden Regionalparlament zu berichten.

Ich kann mich des starken Gefühls nicht erwehren, dass da jemand seine Krankheit geschickt nutzt, um vielleicht ein letztes Mal in der breiten Öffentlichkeit zu stehen.

Bildquelle: Süddeutsche Zeitung

Ich habe die letzte Nacht weniger als fünf Stunden geschlafen und der heutige Tag verlief auch anders als geplant. Meine starke Müdigkeit ist wahrscheinlich nicht die beste Voraussetzung, um der Akklamationsrede von Sigmar dem Ersten, Vorsitzender von eigenen Gnaden, zu lauschen. Ich habe aber ein Fable für historische Ereignisse und so will ich dabei sein, wenn eine bedrohte Art ihre Götterdämmerung erlebt. Wer weiß, wie lang es die SPD – zumindest in ihrer bisherigen Form – noch gibt? Ich tippe auf zwei Legislaturperioden und die deutsche Parteienlandschaft wird anders aussehen. Gründlich anders.

Fast zwei Stunden hat sich Sigmar Gabriel durch die Gegend geschnieft. Die Tagesschau meint über die Rede, dass er etwas geschafft hat, „was noch Stunden zuvor niemand für möglich gehalten hat. Er hat seiner Partei nach deren historischen Wahlniederlage wieder Mut gemacht“. Keine Ahnung wie die lange Wortspende auf Sozialdemokraten wirkt, mir ist primär eine Szene in Erinnerung geblieben: „Habt ihr mal ein Tempo?“ und Andrea Nahles, seine General- Sekretärin, brachte ihm eine Packung. Phoenix übertrug nicht nur die Rede, sondern auch zeigte immer wieder auch die anwesenden Genossinnen und Genossen. Faziniert lauschende Delegierte sehen anders aus. Oder hatten sie auch nur wenig Schlaf? Intensiveren Beifall erhielt Herr Gabriel übrigens immer dann, wenn er über den politischen Gegner her zog oder Sätze sprach, die auch aus einer Rede Angela Merkel’ oder Cem Özdemirs stammen könnten.

Sigmar Gabriel

Regelmäßige Leser dieses kleinen aber feinen Blogs werden jetzt erstaunt sein. Ich hoffe, dass sich die Grünen aus der linken Ecke befreien können, auch wenn es dafür neues Personal bedarf. Dann werde ich mein Kreuz an einer anderen Stelle machen. Bei der SPD wird man mich wohl nie finden.

Textauszug und Bildquelle: tagsschau.de

Liebe Leser dieses kleinen aber feinen Blogs, folgende Informationen, die aus einer sicheren Quelle stammen, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Ich bitte deshalb um ungeteilte Aufmerksamkeit. Am 3. Januar 2010 wird unser Planet aufhören zu existieren. Woher ich dies weiß? In meinem Büro hängt ein Kalender, der genau an diesem Tag endet. Sie wünschen weitere unschlagbare Beweise? Der letzte Tag der Welt ist ein Sonntag. Sicher wird der Herr an seinem Tag die Schöpfung ihrem Ende zu führen. Kommen Sie mir bitte jetzt nicht mit dem eigenartigen Argument, dass ich nur ein neues Kalenderblatt anbringen müsste. Es geht hier schließlich um den Weltuntergang. Bitte vergessen Sie aber niemals, wo Sie diese Nachricht zuerst erreichte. Sie lasen sie bei „Behind Blue Eyes“!

2012Was kommendes Jahr passieren wird, illustriert Roland Emmerichs „2012“ gerade im Kino. Nur das er bei seiner Story auf den falschen Kalender gesetzt hat. Wen interessieren heute noch die Mayas? Dafür gibt es CGI- Content fast biblischen Ausmaßes, allerdings scheint auch der Plot PC- generiert zu sein, so flach wie er ist. Ob die Lacher im Publikum eingeplant sind? Auch im Film werden die USA von einem Schwarzen regiert und Deutschland steht eine Frau vor. Eines würde mich da interessieren: Wenn die Wahl anders ausgegangen wäre, ob wir einen Kanzler gesehen hätten?

Sicherheitshalber werde ich in meinem Büro einen neuen Kalender aufhängen und zur Wintersonnenwende 2012 nicht arbeiten gehen. Wer will schon den letzten Tag im Büro verbringen?