Das kleine Mädchen ganz am Anfang des Films vermittelte eine Botschaft, die meinem Glaubensbekenntnis gleicht. Gott ist Liebe. Und sie stellt dabei gleich fest, dass diese in der Kirche nur äußerst selten zu finden ist. Vor den Fuldaer Bischof tretend, sagt sie: „Warum soll die Frau dem Mann unterlegen sein? Wenn Eva doch aus Adams Rippe geschaffen wurde, er jedoch nur aus feuchtem Lehm. Sind Frauen den Männern nicht in Willenskraft überlegen? Eva aß den Apfel, um zu lernen. Adam nur aus Liebe zu ihr.“
„Die Päpstin“ startet inhaltsstark und fesselnd. Sönke Wortmanns Verfilmung des gleichnamigen Buchs von Donna Woolfolk Cross zeigt in den ersten Szenen deutlich das Konfliktpotential auf, das die Stellung der Frau in der Kirche – bis heute – darstellt. Leider endet der Film in der schlichten Darstellung der Karriere des Johannes Anglicus. Diese ist zweifelsohne glanzvoll, aber eher das Werk von gütigen Fügungen des Schicksals, denn das Ergebnis von Johannas entschlossener Willenskraft.
Das Mittelalter war einfach nur dreckig. Ich glaube, dass wir heutigen Menschen keine zehn Tage überleben könnten. Wir würden an den katastrophalen hygienischen Bedingungen zu Grunde gehen. Aber nicht nur in Sachen Sauberkeit ging es finster zu auch. Menschenleben sind nicht viel wert. Es herrscht Zucht und Ordnung. Wenn man Glück hat ist man männlich und hat damit wenigstens den Hauch von Rechten und Zukunftsaussichten. Johanna wiedersetzt sich dem und geht ihren Weg, der sie bis in das Amt des Bischofs von Rom führt. Hier beginnt das Problem der Story. Denn sie macht auf dem Papstthron nichts besonders. Nur vage wird angedeutet, dass sie eine Bischofssynode einberuft und viele Regelungen überprüfen lässt.
Im vorrömischen Teil des Films will die junge Frau einfach nur die Rechte, die jedem Mann zustehen. Sie will lernen und stellt das erworbene Wissen als Medizinerin in den Dienst der Allgemeinheit. Ist dies typisch weiblich? In Rom hat Johanna als Johannes Anglicus Einfluss und später auch Macht. Zweimal entscheidet sie sich gegen die Liebe und für die Karriere. Ist dies typisch männlich?
Von Johanna blieb für mich am Ende nichts Greifbares. Sie ist an den Widersprüchen zerbrochen, in die sie sich selbst gebracht hat. Der Film (oder das zugrunde liegende Buch) hat die Chance vertan, zu zeigen das Frauen genauso stark wie Männer sein können und selbstverständlich in alle Funktionen und Ämter der Kirche (bzw. des Staates) gehören. Sicher kann man die Geschichte nicht umschreiben. Eine Päpstin hat es nie gegeben. Mehr Ideenreichtum um diesen Missstand der Kirchengeschichte zu geißeln, hatte ich mir gewünscht.
Fassen wir kurz zusammen: Große Bilder. Flache Story.
Bildquelle: Constantin Film
Was machen kleine Kinder, wenn sie nicht bekommen was sie wollen? Sie bocken!


