Zum Inhalt springen

Von Facebook und von Mediengeilheit.

Freitag, 27. Januar 2012

DS

Facebook- Nutzer haben bald nicht mehr die Wahl: Weltweit alle Profile werden auf den neuen Lebenschronik- Look umgestellt, bei dem alle Daten chronologisch aufbereitet sind. Wenn es soweit ist, hat jeder sieben Tage Zeit, um allzu Peinliches rechtzeitig zu löschen. Datenschützer finden das Vorgehen von Facebook „ultradreist“.* Während ich die Schlagezeile bei n-tv.de lese, kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass Datenschutz in diesem Zusammenhang eine völlig neue Bedeutung bekommt.

Ja, ich habe ein Profil bei Facebook und ja, ich nutze gern die Möglichkeit schnell mal einen Status zu teilen. In meinem Freundeskreis nutzen das Netzwerk viele und auch wenn ich meine Freunde nach-wie-vor am liebsten persönlich treffe, über ihr Alltagsleben bekomme jetzt mehr mit.

Zugriff auf mein Profil hat dabei nur, wer mit mir online befreundet ist. Mit aktuell 102 Usern ist die Gruppe im Vergleich zu anderen Nutzen relativ klein und trotzdem unterscheide ich, was die einzelnen Freunde zu lesen bekommen. Da gibt es je einen Kreis für enge Freunde oder Bekannte. Es gibt Inhalte, die ich nur mit Arbeitskollegen teile oder vor eben diesen verberge. Um es anders zu verlieren: Ich überlege mir sehr genau, was ich auf Facebook und natürlich auch bei „Behind Blue Eyes“ veröffentliche.

Das sollte jeder User tun, denn Mark Zuckerbergs Firma ist kein gemeinnütziger Verein. Allerdings scheinen manche Nutzer davon überrascht zu sein. Daten, die sie selber eingeben werden gespeichert und, noch mehr Überraschung, die Daten werden genutzt. Werbung ist das Zauberwort und die gibt es auf den blauen Seiten des Internets personalisiert. Algorithmen in den Tiefen der Datenserver errechnen anhand meiner Einträge in mein Profil, was mich wohl interessieren könnte. Dass sie damit auch danebenliegen können, beweist die eingeblendete AOK- Werbung. Aber mit ein paar regelmäßigen Klicks auf ‚irreführend‘ oder ‚uninteressant‘ hat sich der Spuk vertreiben lassen.

Nun gibt es also die Aufregung um die ‚Timeline‘ (in Deutschland ‚Chronik‘). Ich sehe darin primär ein neues Layout. Die geteilten Inhalte bleiben dieselben und über diese habe ich schon immer Kontrolle. Wenn man sich auf Datensammler wie Facebook oder auch zum Beispiel das Loyaltyprogramm Payback einlässt, sollte man sich vorher überlegen, was man da macht und nicht nachher schimpfen.

Politiker und Datenschützer äußern sich gern über Facebook. Da kann man sich so herrlich empören. Da kann man so herrlich Aktionismus zeigen. In meinen Augen sichern sie damit ihren Datenschutz in Form ihrer öffentlichen Bekanntheit. Schließlich wusste schon der Geheimrat von Goethe, dass einen Menschen nichts mehr erregt, als seinen eigenen Namen gedruckt zu sehen.

Von Facebook und von Mediengeilheit.

Textquelle: * n-tv.de

Von einer notwendigen Erinnerung und von einer unsinnigen Diskussion.

Mittwoch, 25. Januar 2012

DS

Am 1. Juli 2009 kam es am Landgericht Dresden zu einer unfassbaren Tat: Während einer Strafverhandlung erstach Alexander Igorewitsch Nelsin die Ägypterin Marwa El-Sherbini. Doch der Russlandstämmige nahm nicht nur der Pharmazeutin und bekannten Handballspielerin das Leben, mit ihr starb ihr ungeborenes Kind. Zu Recht ging ein Aufschrei durch die Öffentlichkeit.

Doch Teile der folgenden Debatten erzeugten schon damals bei mir ein ungutes Gefühl. Die Tötung Marwa El-Sherbinis sorgte schnell für internationale Medienaufmerksamkeit, insbesondere in Ägypten und in der übrigen muslimischen Welt. Hier kam es zu Protestkundgebungen, bei denen antideutsche Haltungen zum Ausdruck gebracht wurden. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad bezeichnete die Tat als vorprogrammiert und verlangte eine Sanktionierung Deutschlands durch die Vereinten Nationen.*

Anstatt die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen im Gerichtsgebäude zu thematisieren, wurde der tragische Tod instrumentalisiert. Ich glaube nicht, dass der Mord ein typisches Beispiel für das allgemeine Versagen der deutschen Bevölkerung und Politik ist, sondern es sich mehr um eine persönliche Tragödie handelt. Der rassistische Hintergrund wurde bewusst überfokussiert. Die von muslimischen Verbänden ausgemachte Dresdner Islamphobie habe ich nicht feststellen können. Dem Großteil der Einwohner ist klar, wie wichtig der Tourismus und ausländische Mitbürger für unsere Stadt sind. In den kommenden Tagen werden wir wieder mit Mut, Respekt und Toleranz Farbe bekennen. Die Dresdner werden sich in Erinnerung an den 13. Februar 1945 für eine friedliche und menschenwürdige Gesellschaft einsetzen und dabei entschieden und zahlreich den neuen Anhängern der schrecklichen alten Ideologie friedlich entgegentreten.**

Der Soziologe und Erziehungswissenschaftler Hartmut Krauss bezeichnete die damalige mediale Darstellung des El-Sherbini-Falls als realitätswidrig. Krauss berief sich auf Informationen bezüglich des Tatmotivs, welche der ermittelnden Staatsanwaltschaft vorliegen und postulierte, es habe sich bei der Tat um das Ergebnis eines ‚emotional hochgeschaukelten‘ Streits gehandelt. Des Weiteren kritisierte auch er eine, aus seiner Sicht, eindeutige interessenpolitische Verwertung des Falls durch die Muslimverbände.*

Für Marwa El-Sherbini wurde im Gerichtsgebäude eine Gedenkstele errichtet. Ich finde, dass diese Geste eine angemessene Reaktion für die Tat ist. Das Mahnmal gibt der Trauer einen festen Platz. Zugleich ist es aber auch ein Aufruf, dass sich niemand über einen anderen erheben darf, wie es Alexander Igorewitsch Nelsin vor drei Jahren getan hat. Darin sehe ich das Vermächtnis von Marwa El-Sherbini. Ein Vermächtnis dessen Erfüllung Aufgabe für alle Menschen und alle Gesellschaften ist. Leider sind Respekt und Akzeptanz nicht weit verbreitet auf unserem Planeten. Viel zu oft sind wir zerrissen in eine sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung.

Aktuell wird in Dresden diskutiert, ob eine Straße zu Ehren der ermordeten Ägypterin umbenannt werden soll. Ich finde dies nicht notwendig. Die Diskussion zeigt, wie machtvoll die „Keule“ des Vorwurfs des Antiislamismus bereits ist. Das jetzige Verhalten des Stadtrats ist insgesamt (nicht nur das Hin-und-Her der CDU-Fraktion) peinlich, weil er sich unnötigerweise unter Druck hat setzen lassen, denn dem Gedenken wurde bereits ein ordentlicher Rahmen gegeben. Dresden ist so zum Spielball von Interessenvertreten geworden.

Textquellen: * wikipedia.de, ** Gemeinsamer Aufruf zum 13. und 18. Februar 2012

Von Wünschen und von Realität.

Sonntag, 22. Januar 2012

DS

Liebe Leser dieses kleinen aber feinen Blogs, über Ihnen spannt sich das dunkelblaue fast samtschwarze Himmelszelt. Im majestätischen Firmament leuchten edel die Sterne. Ihr Licht ist ein Gruß aus einer längst vergangen Zeit. Vor diesem erhabenen Hintergrund malen Raketen für einen kurzen Moment der Unsterblichkeit ein stolzes Spiel aus ihren leuchtenden Farben. Es ist Silvester und der Blick ist eindrucksvoll. Sie genießen! Plötzlich überschwemmt die strahlende Sonne mit gleißendem Licht das imposante Bild.

Die farbigen Bilder, die die Traumwelt gerade noch so intensiv bot, verschwinden schlagartig. Benommen liege ich im stillen Dunkel meines Schlafzimmers. In der kleinen Straße vor meiner Stadtwohnung pfeift einsam der Wind. Ich taste nach meinem Wecker. Es ist 6.19 Uhr. Werktags würde ich bereits im Bus auf dem Weg zur Arbeit sitzen. Während ich das viel zu zeitige Munterwerden verfluche, höre ich die Signale meines Körpers. Die Blase meldet Überfüllung und ich stehe auf. Es sind unfassbar wenige Tropfen, die sich den langen Weg aus dem Inneren heraus quälen. Während ich geduldig auf Mehr warte wird mir klar, dass ich eigentlich wegen nichts munter wurde.

Warum kann sich die innere Uhr nicht wenigstens am Sonntag abstellen?

Von Wünschen und von Realität.

Willkommen im Leben!

Samstag, 21. Januar 2012

DS

Zwei kleine Füße bewegen sich fort. Zwei kleine Ohren, die hören das Wort.
Ein kleines Wesen mit Augen, die seh’n. Das ist die Schöpfung, sie lässt uns versteh’n.
Zwei kleine Arme, zwei Hände dran, das ist ein Wunder, was man sehen kann.

Wir wissen nicht, was das Leben Dir bringt, wir werden helfen, das vieles gelingt.
Das ist ganz fest versprochen!

Kenneth, geboren am 21. Januar 2012

Willkommen im Leben, kleiner Kenneth!

Von dem, was ich nicht bin und von Arsen-Wasserstoff.

Donnerstag, 19. Januar 2012

DS

Vor einer guten halben Stunde lag ich noch im wohltemperierten Wellness- Becken des Georg-Arnold-Bads und genoss mein Leben. Während abertausende Luftblasen des Wirlpool-Bereichs meine müden Schulterblätter sanft massierten, fühlte ich mich einfach gut. Ich bin zwar kein Biologe, aber irgendwas muss der Körper ausschütten, wenn man Sport macht. Anders kann ich die angenehme Mischung aus Erschöpfung und Glücksgefühlen nach der letzten dreiviertel Stunde Bahnschwimmen nicht erklären. Thema beim Relaxen war natürlich auch der Chemieunfall an der Technischen Universität.

Wir überlegten, was die Feuerwehr gegen Arsen-Wasserstoff macht, schließlich sind wir keine Chemiker: Wie bindet man also ein Gas in der Luft? Ich muss jetzt bestimmt drei Euro ins Phrasenschwein werfen, aber wahrscheinlich ist es Glück im Unglück, dass es heute regnerisch ist. Das Gas wird so schnell aus der Luft gewaschen.

Jetzt fahre ich auf der Straße unterhalb des Hörsaalzentrums nach Hause und schaue auf die massiven Absperrmaßnahmen von Polizei und Feuerwehr. Bei Radio Dresden lief gerade eine Reportage über den Chemieunfall und über den Geruch nach Knoblauch, den die Studenten im Labor wahrgenommen haben. Ich bin zwar kein Psychologe, aber wie Autosuggestion funktioniert, kann ich mir vorstellen. Während ich an der Ampel warte, sehe ich mehrere Männer in Schutzanzügen. Ganz plötzlich riecht es auch in meinem Auto nach einem Vertreter aus der Familie der Amaryllisgewächse.

Chemieunfall an der Technischen Universität © n-tv/ dpa

Bildquelle: n-tv / dpa